Schnelleinstieg Reader

Home|Suche|Sitemap|Webmail|de

Startseite FSU

Adaptiver Echtzeitphoropter


Adaptiver Echtzeitphoropter - In Kooperation mit der Fachhochschule Jena

Als Phoropter bezeichnet man in der klassichen Ophthalmologie ein Gerät, mit welchem der Optiker/Augenarzt eine subjektive Refraktion durchführt. Der Patient schaut durch zwei Öffnungen auf einen Sehzeichenschirm, während der Optiker/Augenarzt verschiedene Messgläser durchprobiert. Dies passiert entweder manuell oder computergesteuert. Der Patient muss beurteilen, wie sich sein Seheindruck beim Einbringen eines Messglases verändert. So kann man sukzessive die optimale Brillenkorrektur ermitteln. Durch die Messgläser können Werte für die Kurz- bzw. Weitsichtigkeit sowie für den  Zylinderfehler in Abstufungen von 0,25 dpt eingestellt werden.


Bei dem adaptiven Echtzeitphoropter (AEP) handelt es sich hingegen um ein Gerät, mit welchem eine Messung der objektive Refraktion, sowie eine stufenlosen Korrektur verschiedener Sehfehler möglich ist. Die Aberrationen des menschlichen Auges werden hierzu in einem ersten Schritt mit einen Shack-Hartmann-Sensor (Wellenfrontsensor) vermessen. Hierbei werden nicht nur die klassischen Sehfehler wie Defokus und Astigmatismus untersucht, sondern auch sogenannte Aberrationen höherer Ordnung (AHO). Mit Hilfe eines deformierbaren Spiegels können dann angepasste Wellenfronten generiert werden. Somit ist es möglich dem Probanden bei Blick durch den AEP einen vollständig korrigierten Seheindruck zu vermitteln.


Mit Hilfe der adaptiven Optik (Shack-Hartmann-Sensor + deformierbarer Spiegel) können aber auch gezielt spezielle Aberrationen induziert werden. Dies ist vor allem interessant, da der Einfluss bestimmter AHO (Koma, Trefoil, sph. Aberration, ...) weitgehend unerforscht ist. In der operativen Augenheilkunde (LASIK, Intraokularlinsen, ...) ist es beispielsweise möglich solche AHO  zu berücksichtigen. Daher könnte mit den am AEP gewonnenen Erkenntnissen dazu beitragen, individuell angepasste Korrekturen zu erarbeiten. Es wäre somit denkbar den subjektiven Seheindruck solcher Patienten im Vergleich zur klassischen Korrektur gerade bei ungünstigen Lichtverhältnissen deutlich zu verbessern.


Der AEP geht aus einem BMBF Projekt hervor, in dessen Rahmen der Einfluss der AHO auf das Kontrastsehen und die Blendempfindlichkeit bei mesopischen Lichtverhältnissen (Dämmerungssehen) bereits untersucht werden konnte [1]. Zur Zeit wird in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Jena (Fachbereich Augenoptik) die Wahrnehmungsschwelle verschiedener Aberrationen höherer Ordnung untersucht. Damit soll geklärt werden, ab welcher Stärke diese Aberrationen wahrnehmbar sind und den subjektiven Seheindruck beeinflussen.



WF-08_KL

 

 


 

Abbildung 1: Rekonstruktion einer gemessenen Wellenfront. Neben dem Astigmatismus ist hier vor allem auch die Koma vorhanden. Der Gesamtwellenfehler beträgt hier ca. 0,75 µm [RMS].

 


 


WF-03_KL 





Abbildung 2:
Rekonstruktion einer gemessenen Wellenfront nach der Vollkorrektur mit Hilfe des AEP. Der Gesamtwellenfehler konnte auf ca. 0,13 µm [RMS] verringert werden (gleiche Farbskalierung wie in Abbildung 1).

  

  

  

 

Literatur

[1] H. Jungnickel, H. Babovsky, A. Kiessling, M. Gebhardt, H.J.Grein, R. Kowarschik.,"Effects on Vision With Glare After Correction of Monochromatic Wavefront Aberrations," Journal of Refractive Surgery 27, 602-612 (2011)

 

Ansprechpartner:

Dr. Holger Babovsky
Telefon: +49 3641 947660
E-Mail: