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Abbeanum

Abbeanum-Winter
Es gibt viele Universitätsgebäude, denen man ihre Bedeutung nicht sofort ansieht. Das Abbeanum am Fröbelstieg zählt dazu. Entwurf und Bau erfolgte unter der Leitung von Prof. Ernst Neufert (Weimar), einem wesentlichen Mitbegründer des Bauhausstiles in Weimar. Das Gebäude wurde 1929 bis 1930 aus den Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung gebaut. Das Abbeanum wurde für das Optische Institut und das Institut für Angewandte Mathematik der Universität errichtet. Beide waren zu damaliger Zeit stark miteinander verbunden, weil die Berechnung von komplizierteren optischen Systemen noch reine Handarbeit war.


Grundsätzliche Anordnung

Die Schwierigkeit, die Hörsäle mit großer Raumhöhe in Verbindung mit den niedrigen Institutsräumen in einem Bau unterzubringen, wurde dadurch gelöst, daß zwischen dem Hörsaal der optischen Abteilung im Erdgeschoß und dem Hörsaal der angewandten Mathematik im zweiten Obergeschoß ein niedriger verlagerter Sammlungsraum im ersten Obergeschoß eingeschoben wurde. Für den kleinen, in diesem Geschoß nötigen Hörsaal genügte gewöhnliche Geschoßhöhe.


Konstruktionssystem

Da ebene Decken gewünscht waren, wurde die Pohlmanndecke gewählt, die bei der großen Spannweite ohne Unterzüge wirtschaftlich ist. Die Tragkonstruktion besteht aus Eisenbetonsäulen mit Pohlmanndecken. Die Steinbrüstungen und Außenwände werden von der Eisenbetonkonstruktion getragen, um verschiedenartiges Setzen zu vermeiden und den Bau schneller hochführen zu können. Die Außenwände bestehen aus gelben hartgebrannten Steinen aus der Ziegelei Hohenbüchen bei Hannover in 12 cm Stärke als Wetterschutz, einem dann folgenden Luftraum von 6 cm und einer inneren 12 cm starken Leichtwand aus porösem Lochsteinen. Die äußeren und inneren Steinschalen sind durch stärkere, verzinkte gekreuzte Eisendrähte miteinander zu einer statischen Einheit sicher verbunden. Die Brücken für Kälte und Feuchtigkeit, die durch die sonst üblichen Bindersteine entstehen, werden dadurch vermieden. ... Die Eisenbetondecken ragen bis Vorderkante Außenhaut vor und schneiden and den Fenstern und Säulen scharf ab, so daß das Getragensein der Brüstung und Nichttragen der Wand klar zum Ausdruck kommt. Die Betonaußenflächen sind mit Contex behandelt und zeigen damit ihre wirkliche Struktur.


Aktueller Stand

Das Abbeanum wurde von 1993 bis 1995 vollständig rekonstruiert. Mehrere Institute der Physikalisch-Astronomischen Fakultät sind darin untergebracht. Die Fakultät für Mathematik und Informatik führt ihre Vorlesungen im Abbeanum durch.


Literatur

Sonderdruck aus dem Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen", 51.Jarhg. 1931, Nr. 17 u. 18 (Herausgegeben im Preußischen Finanzministerium.)